Letztes Feedback

Meta





 

Das Maß der Dinge, 2.0

Da ich mich ja gestern irgendwie in meinen Gedanken verheddert habe, versuche ich nun das ganze Chaos mal zu ordnen.

 Nun, ich könnte theoretisch mit psychologisch-traumatologischem Sachverstand meine Eltern für meine Misere verantwortlich machen. So ein frühkindliches Trauma wäre eine perfekte Erklärung für mein Verhalten. Einen Scheiß kann ich.... es sind doch nicht meine Eltern verantwortlich, für dass was ich mir selbst in den Jahren meines Lebens angetan habe. Sorry Mum und Dad, ihr seid die besten Eltern, die ich hätte haben können, ich liebe euch über alles!!!

Sicher, es lief nicht alles rund während meiner Aufzucht. Aber bei wem ist das schon der Fall. Jedoch gibt es in meiner Vita 3 Erinnerungen, die sich auf meiner Festpatte eingebrannt haben. Die vielleicht im Hintergrund mit an den Strippen gezogen haben.

Ich war so ca. 5 Jahre alt als ich mit meiner Oma in unserer Küche saß und fröhlich diverse Liedchen trällerte. Voller Inbrunst sang ich, weil ich wußte, dass meine Oma diese Lieder sehr liebte. Bis zu dem Moment, als meine Oma zu meiner Mutter sagte:" Jutta, das Kind kann nicht singen, sie lernt das nie, sie kann ja keinen Ton halten". Boing!!!! dieser Satz - den sie gewiss nicht bös' gemeint hat - setzte meiner Abmbition eine großartige Sängerin zu werden, ein jähes Ende. Ich sang nie wieder, zumindest nicht wenn Oma da war.

 Als ich etwa 12 Jahre alt war - ich befand mich zu dem Zeitpunkt im "Breitenwachstumsschub" - ihr wisst ja: wachsen, lang, breit, lang usw... - war mein Lieblingsbrotbelag Mettwurst - ja, wir sagten damals noch Mettwurst, da Salami von den Italienern bekanntlich aus Eselfleisch gemacht wurde und ich wirklich nicht auf Eselfleisch stand! Nun gut, besagter Belag war nun mal mein liebster. Da mein Opa - Schlachtermeister von Beruf - mich abgöttisch liebte, fühte er sich beflissen mir zum damaligen Zeitpunkt eine seiner hausgeschlachteten Köstlichkeiten mit den liebevoll gemeinten Worten:"Das is aber nur für meinen kleinen Mettwurstbullen, hier" zu überreichen. Is ja auch besser als Schokolade, Opi ich weiß und ich lieb dich aber.....WUMMS!!! DAS saß!!!! Mettwurstbulle, echt jetzt??? ...mit dem giftigen Stachel in meiner Seele biss ich an diesem Abend herzhaft in mein Mettwurstbrot....

...und dann gab es da noch den Sonntag meiner Konfirmation..... ein Tag, der eigenlich fröhlich in Erinnerung bleiben sollte, nicht so bei mir. Konfirmation hat seit diesem Tag immer einen seltsamen Beigeschmack. Noch nie habe ich davon erzählt, niemandem!!! Aber ich habe mir ja vorgenommen schonungslos offen und ehrlich zu sein. Da kann ich jetzt keinen Rückzieher mache, oder???

Es war also an einem Sonntag Ende April 1978. Ich hatte mich extra fein gemacht, nur meine herausgewachsene Dauerwelle war mein sichtbares Statement meiner Teenagerrebellion gegen das Establishment!!! Sehr zum Leidwesen meiner Eltern. Sorry, tut mir echt heute noch leid! Der Tag verlief wie wahrscheinlich bei vielen von euch auch. Aufstehen, duschen, Frühstück gabs nicht, ich war viel zu aufgeregt, Anziehen, die weiter entfernt lebende Mischpoke reiste an, jeder tätschelte an mir herum, zupfte hier und da...ach, wenn ich an meine Konfirmation denke...war wohl der häufigste Satz, den ich an diesem Morgen hörte. Dann gings ab zur Kirche - Gott war ich aufgeregt, saß doch mein heimlicher Schwarm mir direkt gegenüber, was bedeutete, dass wir gemeinsam nebeneinander dann vor dem Altar knieen würden. Wie bei einer Hochzeit.......meine Gedanken flogen in die Zuknunft. Gott sei Dank, werden solche Teenieträume selten Wirklichkeit. In meinem Fall danke ich inbrünstig dafür.

Gut, Zeremonie zuende, alle nach draußen in den Sonnenschein und ab vor die Fotolinse. Tante, Onkel, Omas, Opas und die heilige Dreifaltigkeit im Hindergrund. Schön wars....

Zum großen Essen allemann ins Restaurant, wie cool. Spaziergang danach durch den Park und aus Kostengründen zum Kaffee und Abendessen ins damals gerade frisch bezogene Eigenheim. 

Meine Wangen glühten, ob der vielen Geschenke bzw. des vielen Geldes welches sich in den dicken Umschlägen befand. Ich bedankte mich brav und artig für das mir dargebrachte Geschenk und rechnete im Hintergrund schon ob es auch für die neue Stereoanlage und meine Lieblings LP ausreichen würde...

 Doch dann passierte es, völlig unerwartet, völlig überraschend....völlig daneben!!! Mein Onkel, der mir schon immer mal gelegentlich was zusteckte, das seine Frau, meine liebe Tante, nicht mitbekommen sollte, gab mir ein heimliches Zeichen, ich sollte ihm ins Zimmer meines Bruders am Ende des Flurs folgen. Arglos tat ich das....lange Rede, kurzer Sinn....er nahm mich unvermittelt in den Arm und versuchte mich auf den Mund zu küssen. Ich wehrte ihn ab, war geschockt, angeekelt, sprachlos und wollte nur noch weg.....weg von ihm, weg aus dem Haus, weg, weg, weg... Ich flüchtete mich ins Bad und schloss mich dort ein. Oh mein Gott....wie sollte ich ihm je wieder in die Augen sehen, wie sollte ich mich verhalten, wie sollte ich den Tag überstehen, wie, wie, wie.....

Irgendwann musste ich ja wieder rauskommen, meine Mutter zeterte schon rum, wo ich so lange bliebe, sie wollten Fotos machen, noch mehr Fotos mit der glücklichen Konfirmandin - aber die gab es nicht mehr!!!! Wenn ich heute diese Fotos anschaue, erkenne ich genau die Vorher/Nachher Fotos. Meinen Eltern ist es heute noch ein Rätsel warum ich damals auf einmal so zickig war und ihnen die ganze schöne Konfirmation versaut habe. Vielleicht erzähle ich es ihnen doch noch mal.....wer weiß...

Nun, dies sind die drei Begebenheiten, die ich irgendwie nicht vergessen kann. Ob das alles Auswirkungen auf mein Leben hat, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Fakt ist jedoch, sie gehören zu mir wie meine rechte Herzklappe!

Aber eigentlich wollte ich ja über Maß, mein Maß sprechen...ich glaube, das zumindest die letzte Situation ihren Teil zu meiner Maßlosigkeit begetragen hat. Denn ab diesem Zeitpunkt wurde ich laaaaaaaaaaaaaaaaangsam aber stetig dicker und dicker. Ich fraß mir eine Schutzschicht an, eine undurchdringliche, eine hinter der ich mich verstecken konnte und in aller Ruhe meine Wunden leckte.

....und wenn dieses Scheißding beim Zwischenspeichern nochmal den Cursor nach ganz oben befördert, schmeiß ich den PC aus dem Fenster!!!!!!

 

 

 

 

 

 

31.12.16 14:57, kommentieren

Das Maß der Dinge.


Maßhalten, Maßnehmen, Modelmaße, Maßvoll, Maß, Maß, Maß......Scheiße ich hab kein Maß!!!! Hatte ich je eines? Wahrscheinlich. Aber ich habs verloren, verschludert, verschlampt.....aufgefressen!!!!

 

 Ich bin MASSLOS!!!!!! Ich bin verloren, auf immer und ewig verloren....

 

Ohhhh der See meines Selbstmitleids ist ein wahrer Ozean und ich bade gerade darin. Vielleicht sollte ich einfach mal ans Ufer schwimmen und kalt duschen gehen! Dieses Gejammer ist ja nicht auszuhalten!!!! Schluss jetzt damit!!!!!

 

Wer bestimmt denn mein Maß. Meine Portionsgrößen, meine Kleidergröße, meine "Was-Weiß-Ich"???....Das liegt allein in MEINER Hand. Niemand anderes entscheidet über mein Maß. NIEMAND - hörst du NIEMAND!!!!

 

Das musste jetzt mal so deutlich gesagt werden. Hör endlich auf, nach der ultimativen Lösung zu suchen, fang an etwas zu verändern. Heute, hier, JETZT!!!

 

....und genau dies ist meine Vorhaben. Ab sofort gibt es in meinem Wortschatz Wörter wie "nicht, verboten, genug, halb, low, wenig" nicht mehr. Ab heute esse ich nach Herzenslust und mit Wonne. Tue genau das, was ich mir schon seit Jahren wünsche. Ich esse worauf ich Lust und Laune habe - man....ist das befreiend. 

 

Die einzige Frage die ich mir noch stellen werde ist: "Brauchst du das jetzt?" ...ist es wirklich notwendig, dass du das jetzt isst? Wenn ja, hau rein. Wenn du zögerst, denk lieber noch mal drüber nach. Vielleicht ist das mein Weg um wieder eine normales Maß zu erlernen. Ich hatte es ja mal....vielleicht ist es wie Fahrradfahren....das verlernt man auch nicht, man kommt lediglich aus der Übung. 

 Ich denke darüber muss ich noch etwas nachdenken....gerade hängen meine Gedanken an dieser Feststellung....

 

 

30.12.16 16:37, kommentieren

D.I.Ä.T. ...auf der Suche nach dem Schuldigen...

Da sitze ich nun hier vor dem PC und versuche meine Gedanken und Gefühle aus meinem Kopf in die Maschine zu hämmern. Mein Kopf ist voll....ich muss einen Anfang finden, damit mein Gefasel allgemein verständlich wird und nicht der Eindruck entsteht, dass hier noch so ein Vollpfosten sitzt, der sich irgendwie interessant machen will...

 

Wie bin ich eigentlich auf diese hirnverbrannte Idee gekommen alles in einem Blog niederzuschreiben. Noch nie im Leben habe ich Tagebuch oder ähnliches geschrieben, wieso also jetzt und hier? Ganz einfach....meine Gedankensuppe muss halt irgendwo hin, sonst platzt mir der Schädel. Und wenn der Speicherplatz dort drinnen besetzt ist, kann ich nicht in die Tat umsetzen, was ich für mich entschieden habe. So einfach ist das. 

 

Also mal alles zurück auf Anfang. Ich war ein dünnes Kind, ein - aus heutiger Sicht - normalgewichtiger Teenie. Bis dann irgendwann Mitte 20 alles den Bach runter ging. Ich war verheiratet, Mutter einer Tochter, hatte eine intakte tolle Familie, einen Job der mich ausfüllte...und irgendwann habe ich aus Unachtsamkeit den Selbstzerstörungsmechanismus in meinem Hirn ausgelöst. Habe mich auf meinen Lorbeeren ausgeruht - ich hatte ja alles was ich wollte. Ich fing an mich für Geleistetes zu belohnen - ja, ich weiß, dass ist doch nicht verkehrt werden jetzt viele sagen! Doch es war verkehrt, denn ich belohnte mich mit Essen!!!!! Ich aß meine Glücksmomente, ich aß meinen Stress, ich aß meine Trauer, ich aß meine Tränen, ich aß heimlich, ich aß maßlos, ich aß und aß und aß....und ich verlor mich dabei. Irgendwo auf der Strecke zwischen Mitte der 80er und heute habe ich mich verloren unter Bergen von Essen.

 

Dies ist die erste Erkenntnis, die mir während der Lektüre des Buches von Frau Jäger mein Hirn erhellte. ...und weitere sollten folgen...

 

 Mir war damals schon klar, dass das so nicht gut für mich ist. Dumm bin ich ja nicht! Nur hatte ich einfach keine Kraft dagegen anzukämpfen. Es war ja auch so bequem. So dümpelte ich noch ein paar Jahre in meinem unförmigen Körper (damals wog ich 120 kg) vor mich hin. Und ja, auch ich hatte einen schwarzen Badeanzug mit kaschierenden NEONfarbenen Seitenstreifen, hahaha... Ich sah die Blicke meiner Mitmenschen, hörte ihre geflüsterten Kommentare und spürte ihren Ekel. Jedesmal spürte ich auch den Schmerz, die Verletzung und die tiefe Wunde, die es in mir hinterlies, welche ich dann erfolgreich mit ner Pizza oder anderem ungesunden Zeug wegessen musste, um nicht daran zu zerbrechen.

 

Es folgte was folgen musste: ich machte Diät! und ich macht ALLE!!! Diäten die es auf dieser von Dünnen dominierten Erde gibt! Ich quälte mich mit 500 Kcal durch Salatberge, Schlürfte wochenlang Zitronensaft mit Cayennpfeffer, zählte Punke, Sterne, Käfer, Wog und schätzte...nur eines tat ich nicht: mich sattessen!!! Ich wünschte mir heute, ich hätte Frau Jäger damals schon gelesen - wasn Quatsch, da war sie wohl noch gar nicht geboren hahahaha...

 

 Dann kam irgendwann Mitte der 90er die Wende. Gemeinsam mit einer Freundin nahm ich/nahmen wir den Kampf gegen die ungeliebten Kilos auf. Asterix und Obelix - sie Asterix ich Obelix!! Wir haben nicht geredet, wir haben es einfach gemacht. Weniger Fett, weniger Zucker, etwas mehr Bewegung. Und die Mühe zahlte sich aus. Innerhalb von 1 Jahr wurden aus 120kg Kampfgewicht 70kg Wohlfühlgewicht. Ich war glücklich, ich konnte fliegen...Ich wurde Asterix!!! Alles war möglich....

 

Aber wie sooft nach Diäten konnte ich das Gewicht nicht halten. Zwar langsam aber stetig kletterte es wieder nach oben und pendelte sich dann im Laufe der Jahre zwischen 84 und 87 kg ein. Nun, ich könnte zufrieden sein. Ich sehe nicht aus wie ein Walross und auch Greenpeace ignoriert mich am Strand - selbst im Bikini. Aber mein Körper leidet. Meine Gelenke, meine Wirbelsäule leiden. Den Warnschuss bekam ich 2010 - meine Wirbelsäule ging in Streik, ließ meine Bandscheiben an verschiedenen Stellen über die Knochenkante quellen und brachte mich für 9 Monate vollends zum Erliegen. Dank meines hervorragenden Orthopäden blieb mir eine OP erspart. Ich durfte meiner Gesundheit zuliebe 5 Wochen zur Reha nach Sankt-Peter-Ording - im August 2010....ihr erinnert euch...MEGA SOMMER, Blauer Himmel, Temperaturen wie in Italien und das Meer direkt vor der Tür. Ich habe es genossen und bin dementsprechend auch schnell gesundet.

 

Im Job wiedereingegliedert und voll motiviert war mir klar, dass ich an meinem Gewicht arbeiten muss. Das mir Diäten im klassischen Sinne nicht helfen, hatte ich erkannt. Also musste etwas anderes her. Tante Google hatte ja sooooooo viele erfolgreiche Programme für mich auf Lager, dass ich mich kaum entscheiden konnte. Eine Entscheidung zwischen 30g-Fett-Pro-Tag, Low Carb, No Carb, Paleo, WW etc ist letztlich die Entscheidung zwischen Pest und Cholera!!!! Nur war mir das damals nicht wirklich bewusst. (Ok, ich gebs ja zu, na sicher wusste ich, dass es Mumpitz ist, dass dies auch nichts anderes als Diäten sind - welche ich ja nie wieder machen wollte - und noch immer wartete ich auf die Nachricht aus dem Silicon Valley bezüglich der Wunderpille) Also gestehe ich hier meinen Selbstbetrug und meinen Rückfall in die Diätfalle!!!! Was hilfts es war halt so. Ich wählte die Pest!

Wie war ich gefrustet, als nach 3 Monaten "30gFett" auf der Waage nix, aber auch gar nix mehr ging. Im Gegenteil, das Scheißding bewegte den Zeiger nach oben! Scheiße, Scheiße, Scheiße....die Waage ist Schuld, denn ich aß mein Putenschnitzel ja nur in Wasser gebraten. Fett nahm ich nur in der Form zu mir, in der es im natürlichen Zustand war. Also in Fleisch, Gemüse etc. wo das Zeugs eben drinn ist! Menno!!!! Da kann ich doch nicht schuld sein??? 

Dieses Dilemma konnte ich dann ausführlich in meiner "30gFett" Community diskutieren. Irgendwann fand sich dann auch ein Schuldiger: Die WECHSELJAHRE!!!!

 

Ja, ja, ja...ich war in den Wechseljahren. Und die waren schuld, dass es mit dem Abnehmen nicht mehr so klappte!!! Na endlich. Da hatte ich es schwarz auf weiß. Nicht ICH, nicht die Methode...nein die drecks Wechseljahre. HipHipHurra!!!

 

Mein Körper veränderte sich, die Haut verlor an Elastizität und Spannkraft, die Haare wurden stumpfer, meine Bingowings folgten der Schwerkraft. Meine Regel blieb weg - darauf hab ich erstmal kräftig mit fettfreiem Prosecco angestoßen!!! Ich hatte es ja soooooooooooo satt!!

 

Satt????? ....da war es wieder das Wort, welches mir Angst machte, welches mir vor Augen hielt, dass es doch eine andere Ursache für mein Nichtabnehmen geben musste. Satt...satt war ich eigentlich nie!!!

 

Und genau dieses "Nie-Satt-Sein" bringt mich zu der nächsten Erkenntnis, die ich Frau Jäger zu verdanken habe!

30.12.16 16:01, kommentieren